Neues Jahr, neues Glück. Aber was ist mit eurer Ehe? Warum gute Vorsätze nichts bringen, wenn Nähe fehlt
Ihr nehmt euch vor, freundlicher zu sein, geduldiger, weniger zu streiten, mehr miteinander zu reden. Aber kaum jemand nimmt sich vor, sich wieder zu spüren. Kaum jemand fragt sich ehrlich, wie viel Nähe eigentlich noch da ist. Wie viel Berührung. Wie viel echtes Interesse. Und genau deshalb fühlt sich der Februar in so vielen Ehen genauso leer an wie der Dezember, obwohl man sich doch so viel vorgenommen hatte.
Der Gedanke, dass ein neues Jahr automatisch auch eine neue Beziehung bringt, ist einer der größten Selbstbetrüge, den wir uns erlauben. Nähe entsteht nicht, weil ein Datum wechselt. Nähe entsteht, weil Menschen aufhören, sich gegenseitig zu überleben, und anfangen, sich wieder wirklich zu begegnen. Und genau das passiert in den wenigsten Partnerschaften von selbst.
Viele Paare rutschen durch die Jahre wie durch einen Flur mit geschlossenen Türen. Man geht nebeneinander, man erledigt gemeinsam Dinge, man organisiert Kinder, Arbeit, Rechnungen, Termine, aber man öffnet diese Türen nicht mehr. Die Türen zu den eigenen Gefühlen, zu den unerfüllten Wünschen, zu der Sehnsucht nach Berührung, nach Begehrtwerden, nach einem Wir, das mehr ist als ein funktionierendes Team.
Der Jahreswechsel macht das besonders sichtbar. Plötzlich wird überall über Glück gesprochen. Über Liebe. Über neue Chancen. Und wenn man dann abends neben dem Menschen liegt, den man eigentlich liebt, aber sich innerlich nicht mehr erreicht fühlt, dann wird diese Diskrepanz schmerzhaft. Man fragt sich, ob das wirklich alles sein soll. Ob es das war mit Nähe, Lust, Vertrautheit. Ob man einfach akzeptieren muss, dass Beziehungen irgendwann still werden.
Viele hoffen genau darauf. Dass es von allein wieder besser wird. Dass mehr Ruhe, weniger Stress, ein paar freie Tage oder ein schöner Urlaub alles wieder richten. Aber Nähe funktioniert nicht wie ein Muskel, der sich von selbst regeneriert, wenn man ihn lange genug nicht benutzt. Nähe stirbt, wenn sie nicht gelebt wird. Und je länger man wartet, desto schwerer wird es, sie zurückzuholen.
Das Tragische daran ist, dass in den meisten Ehen nicht die Liebe fehlt, sondern der Mut. Der Mut, zu sagen, ich vermisse dich. Der Mut, zuzugeben, dass man sich allein fühlt, obwohl man nicht allein ist. Der Mut, wieder verletzlich zu werden, statt sich hinter Gewohnheiten zu verstecken. Viele Menschen bleiben lieber in einer emotionalen Komfortzone, in der sie funktionieren, als das Risiko einzugehen, wirklich wieder nah zu sein.
Und genau hier scheitern die meisten guten Vorsätze. Man nimmt sich vor, weniger zu streiten, mehr zu reden, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Aber man nimmt sich nicht vor, die wirklichen Dinge anzuschauen. Die unerfüllte Sehnsucht. Die sexuelle Distanz. Die kleinen Verletzungen, die sich über Jahre angesammelt haben. Die Angst, nicht mehr gewollt zu sein. Die Angst, zu viel zu verlangen.
Ein neues Jahr ist eine Einladung. Aber keine automatische Lösung. Es ist eine Einladung, nicht einfach so weiterzumachen wie bisher. Eine Einladung, nicht wieder zwölf Monate in derselben emotionalen Leere zu verbringen und sich am nächsten Silvester wieder zu fragen, wo die Zeit geblieben ist.
Genau aus diesem Grund habe ich „Liebe in der Ehe“ geschrieben. Nicht als romantisches Wohlfühlbuch, sondern als ehrlichen Begleiter für Paare, die sich nicht trennen wollen, aber sich auch nicht weiter verlieren möchten. Dieses Buch spricht nicht über perfekte Beziehungen. Es spricht über echte. Über Nähe, die müde geworden ist. Über Lust, die verschüttet wurde. Über Liebe, die noch da ist, aber nicht mehr gelebt wird.
Wenn du dieses Jahr wirklich etwas verändern willst, dann fang nicht bei den oberflächlichen Vorsätzen an. Fang bei eurer Beziehung an. Bei dem, was zwischen euch passiert, wenn niemand zusieht. Bei den Momenten, in denen ihr euch entweder wieder berührt oder weiter voneinander entfernt.
Neues Jahr, neues Glück ist kein Spruch. Es ist eine Entscheidung. Die Entscheidung, nicht weiter zu warten, nicht weiter zu hoffen, dass sich etwas von selbst ändert, sondern bewusst wieder Raum für Nähe, Lust und echtes Miteinander zu schaffen.
Und genau dafür ist „Liebe in der Ehe“ da.
Nicht irgendwann.
Jetzt.

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