Wir lügen uns seit Jahrtausenden an und nennen es Beziehung
Hand aufs Herz. Was ist schlimmer als ein Betrug? Vielleicht die erbärmliche Ausrede dafür. Denn als wäre es nicht schon demütigend genug, herauszufinden, dass der Mensch, dem man vertraut, mit jemand anderem im Bett gelandet ist, bekommt man hinterher auch noch eine Erklärung serviert, bei der man sich ernsthaft fragen muss, ob der andere einen zusätzlich für vollkommen bescheuert hält. «Ich war betrunken.» Ach so. Natürlich. Alkohol übernimmt schliesslich nicht nur die Kontrolle über unseren Körper, sondern zieht uns auch noch eigenständig die Hose aus und navigiert uns zielsicher ins nächste fremde Bett. Faszinierend, was die Wissenschaft da bisher übersehen hat. Und damit wären wir bereits bei einer der grössten menschlichen Errungenschaften: der Fähigkeit, für den eigenen Mist grundsätzlich jemanden oder etwas anderes verantwortlich zu machen. Aber vielleicht beginnt das ganze Theater schon viel früher. Vielleicht betrügen wir uns nämlich selbst, lange bevor wir überhaupt auf die ...
