Mit diesem einen Punkt führst du eine gute Beziehung

Es gibt unglaublich viele Paare, die von außen betrachtet stabil wirken. Sie leben zusammen, teilen sich den Alltag, organisieren Familie, Arbeit und Verpflichtungen, lachen vielleicht sogar noch miteinander. Und doch spürt man, wenn man genau hinsieht, dass etwas fehlt. Das Feuer ist leiser geworden, die Zärtlichkeit ist nicht mehr selbstverständlich, das Gefühl von verliebt sein ist irgendwo zwischen Wäschekörben und Terminkalendern verloren gegangen. Man funktioniert miteinander, aber man fühlt sich nicht mehr wirklich miteinander verbunden.

Genau in dieser Phase beginnt das, was Beziehungen nicht laut, sondern leise zerstört. Nicht der große Knall, nicht der Seitensprung, nicht der Streit, sondern das Ausweichen. Das Verlegen der eigenen Gefühle an Orte, an denen sie nicht hingehören.

Frauen reden dann mit Freundinnen über das, was sie vermissen. Über die Nähe, die fehlt. Über den Mann, der sich verändert hat. Männer ziehen sich zurück, werden stiller, vergraben sich in Arbeit oder Ablenkung. Und beide glauben, sie würden sich damit schützen. In Wahrheit öffnen sie damit die Tür für etwas, das jede Beziehung langsam von innen zerfrisst.

Je mehr Menschen du in deine Beziehung hineinlässt, desto größer wird die Gefahr, dass sie daran kaputt geht. Nicht weil diese Menschen böse sind, sondern weil jeder seine eigene Brille trägt. Jeder hört deine Geschichte und filtert sie durch seine eigenen Enttäuschungen, Ängste und Erfahrungen. Am Ende hast du nicht mehr deine Beziehung, sondern ein Puzzle aus fremden Meinungen.

Das ist wie in der Medizin. Du gehst mit demselben Symptom zu drei Ärzten und bekommst drei Diagnosen. Alle meinen es gut. Alle sind überzeugt von sich. Aber du stehst danach verwirrter da als vorher. Genau so verhält es sich, wenn du dein Innerstes über deine Partnerschaft nach außen trägst. Jeder gibt dir eine andere Interpretation. Jeder weiß, was du angeblich tun solltest. Und plötzlich bist du nicht mehr bei deinem Partner, sondern in einem Meinungsfeld, das immer lauter wird.

Eine gute Beziehung führt man zu zweit. Nicht mit dem Freundeskreis. Nicht mit der Familie. Nicht mit einer WhatsApp Gruppe. Ihr habt eure Stolpersteine, eure Reibungen, eure Verletzungen. Aber ihr tragt sie gemeinsam oder sie werden euch auseinanderziehen. Dazwischen gibt es nichts.

Ich weiß das nicht nur aus Theorie, sondern aus einer Erfahrung, die mich tief geprägt hat. Mein Mann hat mir einmal erzählt, wie seine Exfrau in seiner Anwesenheit über ihn gesprochen hat. Vor anderen Menschen. Sie nannte ihn ein Arschloch. Sie nannte ihn nutzlos. Sie machte ihn klein, während er danebenstand. Charmant nicht wahr. In genau diesem Moment wusste ich etwas glasklar. Egal wie schwierig es zwischen uns einmal werden würde, egal wie wütend oder enttäuscht ich sein könnte, niemals würde ich meinen Mann so vor anderen bezeichnen. Nicht weil wir perfekt sind, sondern weil Respekt die letzte Linie ist, die man nicht überschreiten darf.

Wenn du diese Linie überschreitest, zeigst du nicht, wie schlecht dein Partner ist, sondern welchen Charakter du selbst hast. Jemanden, den du liebst oder einmal geliebt hast, öffentlich abzuwerten, ist kein Ventil. Es ist ein Verrat an der Verbindung, die euch einmal getragen hat.

Viele Menschen rechtfertigen dieses Verhalten damit, dass sie Dampf ablassen müssen. Dass sie ja irgendwohin mit ihrem Frust müssen. Und ja, Gefühle brauchen Raum. Aber der Ort entscheidet, ob sie heilen oder zerstören. Wenn du bei Freundinnen über deinen Partner lästerst, veränderst du das Bild, das sie von ihm haben. Selbst wenn ihr euch wieder versöhnt, bleibt in ihren Köpfen etwas hängen. Er ist schwierig. Er ist kalt. Er ist nicht gut für dich. Und plötzlich sitzt dein Partner mit euch am Tisch und ist längst verurteilt, ohne es zu wissen.

Darum ist der wichtigste Punkt für jede Beziehung so unbequem wie einfach. Rede nicht über deinen Partner mit anderen. Rede mit deinem Partner.

In meinem Ratgeber Liebe in der Ehe nenne ich das den Nährstoff der Beziehung. Ohne ehrliche, offene Verständigung verdorrt selbst die größte Liebe. Du kannst tausend Gespräche führen, aber wenn du nicht mit der einen Person sprichst, mit der du dein Leben teilst, verändert sich nichts.

Und ja, das braucht Mut. Es ist viel einfacher, bei Freundinnen Bestätigung zu holen, als dem eigenen Partner zu sagen, was wirklich fehlt. Aber Nähe entsteht nicht durch Zustimmung von außen, sondern durch Ehrlichkeit im Innen.

Wenn du merkst, dass sich etwas aufstaut, dann beginne bei dir. Stell dich vor den Spiegel. Sag laut, was dich verletzt. Was dich wütend macht. Was du dir wünschst. Ohne Publikum. Ohne Gegenmeinung. Wenn der erste Druck raus ist, geh zu deinem Partner und bitte um ein Gespräch. Nicht anklagend. Nicht angreifend. Sondern ehrlich.

Und dann kommt der Teil, den viele unterschätzen. Reden allein reicht nicht. Beziehungen leben von kleinen Zeichen. Von einer Nachricht zwischendurch. Von einem Blick. Von einer Berührung. Von diesem Gefühl, dass man noch gesehen wird. In meinem Buch beschreibe ich diese Dinge als die kleinen Helfer. Es sind winzige Gesten, aber sie nähren genau das, was sonst verhungert. Nähe. Lust. Verbundenheit.

Du brauchst keine neuen Meinungen. Du brauchst keinen Freundeskreis als Gerichtshof. Du brauchst die Entscheidung, deinen Partner wieder dort hinzuholen, wo er hingehört. In dein Innerstes.

Und genau darum geht es in Sex in der Ehe. Nicht um Techniken. Nicht um Spielzeuge. Sondern um die Rückkehr zu euch. Wenn ihr wieder miteinander redet statt übereinander, wenn ihr euch wieder zeigt statt versteckt, kommt auch das Feuer zurück. Nicht durch Druck, sondern durch Verbindung.

Wenn du das fühlst, dann ist dieses Buch für dich.
Und für euch 

Danke für deine Zeit. 

Deine Gwen

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